Die MWST: mein Freund und Helfer bei Subventionen

MWST-Grundsatz:
Spenden werden ohne Gegenleistung ausgerichtet und führen deshalb nicht zu einer Kürzung des Vorsteuerabzugs (Art. 18 Abs. 2 Bst. d MWSTG i. V. m. Art. 33 Abs. 1 MWSTG).

MWST-Folgen bis zum 30. Juni 2019:
Gemäss Ziffer 2.1.2 der MWST-Info 05 „Subventionen und Spenden“ gehören die Spenden nicht zum massgebenden Umsatz für die Kürzung der Vorsteuern und sind nicht in den Umsatzschlüssel für die Vorsteuerkürzung miteinzubeziehen, sogar dann nicht, wenn die steuerpflichtige Person nebst den steuerbaren Einnahmen und den Spenden auch von der Steuer ausgenommene Umsätze erzielt.

NEU!
MWST-Folgen ab dem 01. Juli 2019:
Für die Berechnung der Vorsteuerkürzung sind die Spenden NEU in den Gesamtumsatz miteinzubeziehen, auch bei Vorsteuerkürzung aufgrund erhaltener Subventionen für die Deckung eines Betriebsdefizits (Art. 75 Abs. 3 MWSTV).

Was für Auswirkungen hat diese neue MWST-Regelung auf die Vorsteuerkürzung?

Beispiel ohne von der Steuer ausgenommene Umsätze

Eine steuerpflichtige Person erzielt folgende Einnahmen:
Verkaufserlös                  CHF 650‘000 (steuerbar, exkl. MWST)
Subventionen                   CHF 250‘000 (Vorsteuerkürzung obligatorisch)
Spenden                           CHF 100‘000 (Nicht-Entgelt mangels Gegenleistung)

Lösung bis zum 30. Juni 2019:
Verkaufserlös                 CHF 650‘000    (72,22%)       (steuerbar, exkl. MWST)
Subventionen                  CHF 250‘000    (27,78%)       (Vorsteuerkürzung)
Total                                 CHF 900‘000    (100%)

Die Subventionen betragen 27,78% des Gesamtumsatzes. Die Vorsteuern sind deshalb um 27,78% zu kürzen.

Lösung ab dem 01. Juli 2019:
Verkaufserlös                CHF   650‘000      (65%)           (steuerbar, exkl. MWST)
Subventionen                CHF   250‘000      (25%)           (Vorsteuerkürzung)
Spenden                        CHF   100‘000      (10%)          (Nicht-Entgelt)
Total                               CHF 1‘000‘000    (100%)

Die Subventionen betragen 25% des Gesamtumsatzes inkl. Spenden. Die Vorsteuern sind deshalb nur um 25% zu kürzen.

Fazit:
Durch die Neuregelung
beim Erhalt von Subventionen für die Deckung eines Betriebsdefizits bzw. durch das Miteinbeziehen der Spenden als Nicht-Entgelt in den Gesamtumsatz vermindert sich die vorzunehmende Vorsteuerkürzung mit 2,78%.

Beispiel mit von der Steuer ausgenommenen Umsätzen

Dieselbe steuerpflichtige Person erzielt nun zusätzlich auch
Erlös                            CHF 100‘000 (von der Steuer ausgenommen)

Lösung ab dem 01. Juli 2019:
Verkaufserlös         CHF    650‘000     (59.09%)       (steuerbar, exkl. MWST)
Erlös                         CHF    100‘000     (09.09%)       (ausgenommen)
Subventionen          CHF    250‘000     (22.73%)       (Vorsteuerkürzung)
Spenden                  CHF    100‘000     (09.09%)       (Nicht-Entgelt)
Total                         CHF  1‘100‘000    (100%)

Schritt 1:
Die Subventionen betragen 22,73% des Gesamtumsatzes inkl. Spenden. Die Vorsteuern sind deshalb um 22,73% (Ziffer 420 des MWST-Abrechnungsformulars) zu kürzen (Art. 33 Abs. 2 MWSTG).

Schritt 2:
Die verbleibenden Vorsteuern sind aufgrund der erzielten von der Steuer ausgenommenen Umsätze zu korrigieren (Art. 29 Abs. 1 MWSTG resp. Art. 30 Abs. 1 MWSTG).
Die dafür gewählte Korrekturmethode muss zu einem sachgerechten Ergebnis führen. Wurde die Aufteilung nach den erzielten Umsätzen gewählt, dürfen die Nicht-Entgelte bei der Schlüsselberechnung NICHT berücksichtigt werden:

Verkaufserlös                          CHF    650‘000   (86.67%)       (exkl. MWST)
Erlös                                          CHF    100‘000   (13.33%)       (ausgenommen)
Total EXKL. Nicht-Entgelte   CHF    750‘000    (100%)

Nach der Vorsteuerkürzung aufgrund der Subventionen um 22,73% sind somit die verbleibenden Vorsteuern noch um 13,33% (Ziffer 415 des MWST Abrechnungsformulars) zu korrigieren.

Fazit:
Dank der Neuregelung vermindert sich die vorzunehmende Vorsteuerkürzung infolge Subventionen auch beim Erzielen von von der Steuer ausgenommenen Umsätzen
.

Bei der Berechnung der notwendigen Vorsteuerkorrekturen infolge gemischter Verwendung (Art. 30 Abs. 1 MWSTG) nach einem Umsatzschlüssel sind die Spenden weiterhin NICHT in den Umsatzschlüssel für die Vorsteuerkorrektur miteinzubeziehen.

Vorsteuern, welche im Zusammenhang mit den Tätigkeiten zur Erzielung von Spenden anfallen, können im Rahmen der zum Vorsteuerabzug berechtigenden unternehmerischen Tätigkeit der steuerpflichtigen Person nach wie vor geltend gemacht werden (Art. 28 Abs. 1 MWSTG).

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