Mit MWST Cash Flow optimieren und Geld sparen? Mit Vorsteuer schon!

Die Mehrwertsteuer hat den Ruf, dass man kaum Steuern sparen kann. Im Rahmen einer Beratung werden allenfalls Risiken aufgezeigt, die zu einer zusätzlichen Belastung führen können. Es ist ganz anders beim Abzug fiktiver Vorsteuer und bei Vorsteuerkürzungen, denn solche müssen einer Systematik folgen, die je nach dem zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann, was an nachfolgenden Beispielen erläutert werden soll.

Beispiel 1: Abzug fiktiver Vorsteuer
Bis 31.12.2017 gab es für den Abzug fiktiver Vorsteuer diverse Einschränkungen.
Erforderlich waren folgende Punkte:

  • Es musste sich um einen gebrauchten beweglichen Gegenstand handeln.
  • Der Gegenstand musste für die Lieferung an einen Abnehmer im Inland bezogen werden.

Diese Erfordernisse sind per 1.1.2018 weggefallen.

Die nicht steuerpflichtige Schneiderin Yvonne Schneiter und die nicht steuerpflichtige Schneiderin Karin Grütter kaufen im Jahr 2018 dieselbe spezielle Nähmaschine Bernina 880 mit Stickmodul von einer Privatperson für 10‘950 Franken. Im 2018 erzielen Frau Schneiter und Frau Grütter erstmals einen Umsatz von über 100‘000 Franken und werden per 1. Januar 2019 ins Register der Mehrwertsteuerpflichtigen eingetragen. Frau Schneiter lässt sich von einer MWST Expertin beraten und nimmt in der ersten Abrechnung 2019 für die in Gebrauch genommene Nähmaschine auf dem Zeitwert den Abzug fiktiver Vorsteuer wie folgt vor
(Einlageentsteuerung):

Einkaufspreis 2018 CHF 10‘950.00
Abschreibung (1 abgelaufenes Jahr à 20%) CHF   2‘190.00
Massgebender Wert per 1.1.2019        CHF   8‘760.00
Zulässiger Abzug fiktiver Vorsteuer per 1.1.2019
(7,7 % von 107,7 %)    
CHF      626.30

Frau Grütter meint, dass Vorsteuerabzug auf dem Kauf von einer Privatperson in keinem einzigen Fall möglich ist und macht keinen Abzug fiktiver Vorsteuer geltend.

Fazit:
Für Frau Schneiter kostet dieselbe Nähmaschine CHF 626.30 weniger.

Beispiel 2: Sanierung Immobilien
Im 2017 haben die steuerpflichtigen Unternehmer A und Unternehmer B je eine Liegenschaft in der Berner Altstadt saniert, die wie folgt genutzt wird:

Aufteilung der Liegenschaftsfläche
nach MWST Qualifikation  

Bruttogesamtfläche (m2)

Geschosshöhe
(m)

Gesamtvolumen
(m3)

Betriebliche Nutzung mit Vorsteuerabzug

400

3.50

1‘400

Wohnungen (von der Steuer ausgenommen)

800

2.50

2‘000

Total

1’200

 

3‘400

Die Rechnungen über die Sanierung der Aussenfassade belaufen sich auf 10‘000‘000 CHF exkl. 8% MWST.

Unternehmer A hat die Vorsteuer für den Anteil Wohnungen nach m2 gekürzt.

Daraus ergibt sich folgende Berechnung:

8% MWST auf CHF 10‘000‘000 ist gleich                                               CHF 800‘000.00
Davon entfällt auf
MWST-Anteil Betriebliche Nutzung mit Vorsteuerabzug                     CHF 266‘666.67
MWST-Anteil Wohnungen (von der Steuer ausgenommen)              CHF 533‘333.33

Unternehmer B hat die Vorsteuer für den Anteil Wohnungen nach m3 gekürzt.

Daraus ergibt sich folgende Berechnung:

8% MWST auf CHF 10‘000‘000 ist gleich                                               CHF 800‘000.00
Davon entfällt auf
MWST-Anteil Betriebliche Nutzung mit Vorsteuerabzug                     CHF 329‘411.76
MWST-Anteil Wohnungen (von der Steuer ausgenommen)              CHF 470‘588.24

Berechnung:

Bezeichnung Vorsteuer %-Anteil m2 m3 %-Anteil Vorsteuer
Betriebliche Nutzung
mit Vorsteuer
266’666.67 33.33 400 1’400 41.18 329’411.76
Wohnungen
(ausgenommener Umsatz)
533’333.33 66.67 800 2’000 58.82 470’588.24
Total 800’000.00 100.00 1’200 3’400 100.00 800’000.00

Fazit:
Häuser zeichnen sich durch verschiedene Geschosshöhe aus.
Aus diesem Grunde macht es Sinn, die Vorsteuerkürzung nach m3 vorzunehmen.

Dank der Vorsteuerkürzung nach m3 statt nach m2 ist die Sanierung für Unternehmer B mit CHF 62‘745.10 günstiger als die Sanierung für Unternehmer A.

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